Der Behindertenpass-Wegweiser
Ein Prozentsatz entscheidet über Geld, Schutz und Förderungen. Hol dir den, der deinen Folgen entspricht.
Nach einem Schlaganfall stellt das Sozialministeriumservice auf Antrag den Grad der Behinderung fest. An dieser einen Zahl hängt viel: Ab 50 Prozent gibt es den Behindertenpass, Steuerfreibeträge, Ermäßigungen, und auf Wunsch den Status als begünstigte Behinderte mit Kündigungsschutz und Förderungen für Arbeitgeber.
Das Problem: Die Einschätzung passiert nach einer Verordnung mit festen Positionen und Rahmensätzen, und mehrere Einschränkungen werden dabei nicht addiert. Was man von außen sieht (die Lähmung), wird erfasst. Was man nicht sieht, also Fatigue, Konzentration, Aphasie im Alltag, Stimmung, fällt ohne die richtigen Befunde regelmäßig unter den Tisch. Wer unvorbereitet in das Verfahren geht, bekommt einen Bescheid, der die sichtbare Hälfte des Schlaganfalls abbildet.
Ich habe diesen Weg selbst gemacht: Schlaganfall, Reha, Antrag, Begutachtung, Grad der Behinderung 50. Dieses Paket ist der Wegweiser, den ich damals gebraucht hätte.
Was im Paket steckt (PDF)
- Der Hauptguide. Das ganze Verfahren beim Sozialministeriumservice vom Antrag bis zum Pass: der richtige Zeitpunkt nach dem Schlaganfall, Behindertenpass und Feststellungsbescheid (zwei verschiedene Verfahren!), und die häufigsten Fehler.
- Die Einschätzungslogik zum Selberlesen. Die für Schlaganfall-Folgen relevanten Positionen der Einschätzungsverordnung mit ihren Rahmensätzen, und die Regel, nach der mehrere Einschränkungen zu einem Gesamtgrad verbunden werden. Damit weißt du vor dem Bescheid, was realistisch ist.
- Antrag und Befundmappe. Welche Befunde die Einschätzung tatsächlich tragen, warum unsichtbare Folgen eine neuropsychologische Testung brauchen, und wie du die Unterlagen aufbereitest, damit nichts übersehen werden kann.
- Die Checkliste für die Begutachtung. Was bei der Untersuchung passiert, wie du deinen Alltag ehrlich schilderst statt dich von deiner besten Seite zu zeigen, und das Gedächtnisprotokoll danach.
- Bescheid, Beschwerde und Vorteile. Den Bescheid prüfen, die Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht, und die vollständige Liste dessen, was der Pass bringt: Steuerfreibeträge, Zusatzeintragungen, Parkausweis, begünstigter Status mit ehrlicher Abwägung.
Drei Dinge, die kaum jemand weiß
- Mehrere Einschränkungen werden nicht zusammengezählt. Es zählt das führende Leiden; weitere erhöhen den Gesamtgrad nur, wenn sie das Gesamtbild wesentlich verschlechtern. Genau deshalb entscheidet die Dokumentation.
- Behindertenpass und der Status als begünstigte Behinderte sind zwei getrennte Verfahren mit unterschiedlichen Wirkungen. Viele beantragen das falsche oder nur eines von beiden.
- Unsichtbare Schlaganfall-Folgen wie Fatigue und kognitive Einschränkungen zählen, aber nur, wenn sie befundet sind. Ohne neuropsychologischen Befund existieren sie für das Verfahren praktisch nicht.
Alle Angaben im Paket sind am Gesetzestext geprüft (Bundesbehindertengesetz, Behinderteneinstellungsgesetz und Einschätzungsverordnung im RIS, Stand Juli 2026) und mit den Ratgebern von Arbeiterkammer und Behindertenverbänden abgeglichen.
Das Paket erscheint in Kürze (39 Euro, einmalig, PDF).
Bei Erscheinen benachrichtigenEine kurze E-Mail genügt; ich melde mich, sobald es verfügbar ist.
Für wen es gedacht ist, und für wen nicht
Für dich, wenn nach dem Schlaganfall ein Antrag auf den Behindertenpass ansteht, wenn du überlegst, ob und wann du ihn stellen sollst, oder wenn ein Bescheid gerade niedriger ausgefallen ist, als deine Folgen es rechtfertigen.
Nicht nötig, wenn dein Fall bereits vollständig von einem Behindertenverband (ÖZIV, KOBV) oder der Arbeiterkammer betreut wird; deren Beratung ist kostenlos und wird im Paket ausdrücklich empfohlen. Die Grundinformationen findest du außerdem gratis auf unseren Seiten zu Finanzen und Arbeit & Beruf.
Häufige Fragen
Ist das Paket eine Rechtsberatung?
Nein. Es erklärt das Verfahren, die Einschätzungslogik und deine Rechte und hilft bei Vorbereitung und Dokumentation. Für eine Beschwerde empfehle ich die kostenlose Beratung durch Behindertenverbände oder die Arbeiterkammer.
Gilt es in ganz Österreich?
Ja. Der Grad der Behinderung wird bundesweit vom Sozialministeriumservice nach denselben Regeln festgestellt.
Ich bin noch in der Reha. Soll ich schon beantragen?
Der Zeitpunkt ist eine der wichtigsten Weichenstellungen: zu früh beantragt riskiert eine Einschätzung auf Basis instabiler Befunde. Der Hauptguide behandelt genau diese Abwägung.
Hilft es auch bei anderen Diagnosen als Schlaganfall?
Das Verfahren ist für alle gleich, die Beispiele und Befund-Tipps sind aber auf Schlaganfall-Folgen zugeschnitten (Lähmung, Aphasie, Fatigue, kognitive Einschränkungen, Gesichtsfeldausfälle, Epilepsie).