Musiktherapie bei Schädel-Hirn-Trauma: Verbesserung der Exekutivfunktionen und sichtbare Veränderungen im Gehirn
2020 | Journal of Neurotrauma | Siponkoski ST, Martínez-Molina N, Kuusela L, Laitinen S, Holma M, Ahlfors M, Jordan-Kilkki P, Ala-Kauhaluoma K, Melkas S, Pekkola J, Rodriguez-Fornells A, Laine M, Ylinen A, Rantanen P, Koskinen S, Lipsanen J, Särkämö T
Zusammenfassung
Diese randomisierte kontrollierte Studie untersuchte 40 Personen mit moderatem bis schwerem Schädel-Hirn-Trauma. Über drei Monate erhielten die Teilnehmer:innen eine neurologische Musiktherapie zusätzlich zur Standardversorgung, gegliedert in zwei Gruppen mit zeitlich versetztem Beginn (Crossover-Design). Gemessen wurden Exekutivfunktionen (Planung, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit) sowie strukturelle Veränderungen im Gehirn mittels MRT. Die Ergebnisse: messbare Verbesserung der Exekutivfunktionen und nachweisbare strukturelle Plastizität in den Frontalhirnregionen, die diese Funktionen steuern.
Veröffentlicht wurde die Studie im Jahr 2020 im Fachjournal Journal of Neurotrauma. Verfasst von Siponkoski ST, Martínez-Molina N, Kuusela L, Laitinen S, Holma M, Ahlfors M, Jordan-Kilkki P, Ala-Kauhaluoma K, Melkas S, Pekkola J, Rodriguez-Fornells A, Laine M, Ylinen A, Rantanen P, Koskinen S, Lipsanen J, Särkämö T. Originaltitel: „Music Therapy Enhances Executive Functions and Prefrontal Structural Neuroplasticity after Traumatic Brain Injury: Evidence from a Randomized Controlled Trial“. Die Originalpublikation ist über den DOI 10.1089/neu.2019.6413 dauerhaft auffindbar. Thematische Schwerpunkte: Musiktherapie, Schädel-Hirn-Trauma, SHT, Exekutivfunktionen, Neuroplastizität und Kognition.
Was bedeutet das für Betroffene?
Schädel-Hirn-Trauma ist nicht das Gleiche wie Schlaganfall, aber die kognitiven Auswirkungen überschneiden sich oft (Aufmerksamkeit, Planung, Arbeitsgedächtnis). Diese Studie zeigt, dass Musiktherapie nicht nur Sprache und Motorik beeinflusst, sondern auch höhere kognitive Funktionen. Für Schlaganfall-Betroffene mit kognitiven Einschränkungen ist das ein interessanter Hinweis darauf, dass Musiktherapie auch hier eine sinnvolle Ergänzung sein kann. Die Studie ist methodisch eine der saubersten zu diesem Thema.
Kritische Einordnung
Die Stichprobe ist klein (40 Personen), das Crossover-Design erschwert die Trennung langfristiger Effekte. Übertragbarkeit auf Schlaganfall ist plausibel, aber nicht bewiesen. Die strukturellen MRT-Befunde sind beeindruckend, sollten aber durch größere Studien repliziert werden.
Originalstudie
Music Therapy Enhances Executive Functions and Prefrontal Structural Neuroplasticity after Traumatic Brain Injury: Evidence from a Randomized Controlled Trial
Siponkoski ST, Martínez-Molina N, Kuusela L, Laitinen S, Holma M, Ahlfors M, Jordan-Kilkki P, Ala-Kauhaluoma K, Melkas S, Pekkola J, Rodriguez-Fornells A, Laine M, Ylinen A, Rantanen P, Koskinen S, Lipsanen J, Särkämö T, Journal of Neurotrauma (2020)
DOI: 10.1089/neu.2019.6413
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