Die gute Nachricht: Ich brauche am Arbeitsplatz erstaunlich wenig. Die wenigen Dinge, die ich brauche, sind aber entscheidend.
Ruhe
Seit dem Schlaganfall kann ich nicht mehr mehrere Geräuschquellen gleichzeitig verarbeiten. Wenn jemand spricht und daneben der Radio läuft, muss ich den Radio abdrehen. Großraumbüros sind deshalb schwierig. Meine Lösung: Noise-Cancelling-Kopfhörer. Die bringe ich selbst mit, das muss kein Arbeitgeber stellen. Aber ein ruhiger Arbeitsplatz oder die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, macht einen großen Unterschied.
Pausen
Ich brauche öfter Pausen als früher. Nicht lange, aber regelmäßig. Die Konzentration hält nicht mehr so lange wie vor dem Schlaganfall. Flexible Arbeitszeiten helfen dabei mehr als jedes Hilfsmittel.
Meetings aufnehmen
Wenn ein Meeting wichtig ist, frage ich, ob es in Ordnung ist, wenn ich aufnehme. Nicht weil ich nicht zuhöre, sondern damit ich mich voll auf das Gespräch konzentrieren kann, ohne gleichzeitig mitschreiben zu müssen. Bisher hat das nie jemand abgelehnt.
Ausreden lassen
Manchmal finde ich meine Wörter nicht sofort. Es ist menschlich, dass Kollegen versuchen zu helfen und Wörter vorschlagen. Aber durch das Reinfallen komme ich noch mehr durcheinander. Die beste Hilfe: kurz warten. Das Wort kommt.
Tastatur und Maus
Ich benutze eine normale Tastatur und eine normale Maus. Keine Spezialgeräte. Für Menschen, die den Arm gar nicht nutzen können, gibt es Einhandtastaturen und angepasste Mäuse. Bei mir reicht die Standardausstattung.
Integriert Studieren
An österreichischen Universitäten gibt es "Integriert Studieren", eine Servicestelle für Studierende mit Behinderung. Die haben mir Prüfungszeitverlängerung und eine Assistenz für das Labor organisiert. Wer studiert und eine körperliche oder psychische Einschränkung hat, sollte sich dort melden.
Worauf man bei Arbeitgebern achten kann
Kein Großraumbüro. Gute öffentliche Verkehrsanbindung. Flexibilität in der Stellenausschreibung. Inklusion und Diversität, die nicht nur auf der Website stehen. Manche Unternehmen haben einen Diversity Report. Das ist ein gutes Zeichen.
Fazit
Die meisten Anpassungen, die ich brauche, kosten nichts. Ruhe, Pausen, Geduld beim Zuhören. Was es braucht, ist ein Arbeitsumfeld, das Flexibilität als Normalität versteht und nicht als Sonderbehandlung.