Wenn ich erzähle, dass ich einen Schlaganfall hatte, nehmen die meisten Menschen an, dass ein Blutgerinnsel ein Gefäß in meinem Gehirn verstopft hat. Das ist die häufigste Art, ein ischämischer Schlaganfall. Aber bei mir war es anders. Bei mir ist ein Blutgefäß geplatzt. Blut ist ins Gehirngewebe gelaufen. Das nennt man eine intrazerebrale Blutung oder hämorrhagischen Schlaganfall.

Was passiert bei einer Hirnblutung?

Normalerweise wird das Gehirn über ein Netz aus Blutgefäßen mit Sauerstoff versorgt. Bei einer Hirnblutung reißt eines dieser Gefäße auf. Blut tritt aus und sammelt sich im Gehirngewebe. Dieses Blut hat dort nichts verloren. Es drückt auf das umliegende Gewebe, zerstört Nervenzellen und nimmt ihnen den Sauerstoff.

Bei mir entstand die Blutung im linken Putamen, einem Bereich tief im Gehirn, der für Bewegung und Sprache wichtig ist. Deshalb konnte ich plötzlich nicht mehr sprechen und meine rechte Seite nicht mehr bewegen. Die Blutung war am Anfang etwa so groß wie eine Walnuss: 3,7 mal 2,8 mal 3,7 Zentimeter. Über Nacht wuchs sie auf 5,5 mal 5 mal 5,2 Zentimeter. Das Volumen stieg auf etwa 70 Milliliter, fast ein Drittel einer Tasse. Das Gehirn wurde auf die andere Seite gedrückt.

Wie unterscheidet sich das von einem "normalen" Schlaganfall?

Bei einem ischämischen Schlaganfall, also einer Verstopfung, gibt es klare Behandlungen: Blutverdünner, Thrombolyse, manchmal ein Katheter, der das Gerinnsel entfernt. Bei einer Hirnblutung ist das Gegenteil der Fall. Blutverdünner wären tödlich, weil sie die Blutung verschlimmern würden.

Das bedeutet: Die Behandlung ist grundlegend anders. Bei mir hieß das:

Blutdruck senken und unter 140 halten, damit die Blutung nicht weiter wächst.

Intensivstation und engmaschige Überwachung mit regelmäßigen CT-Scans, ob die Blutung größer wird.

Mannitol, ein Medikament das dem Gehirn Wasser entzieht, um die Schwellung zu reduzieren.

Neurochirurgie auf Standby, falls die Blutung so groß wird, dass eine Notoperation nötig ist.

Abwarten. Das war das Schwierigste. Es gibt kein Medikament, das eine Hirnblutung stoppt. Man kann nur die Rahmenbedingungen kontrollieren und hoffen, dass der Körper den Rest macht.

Warum passiert eine Hirnblutung?

Die häufigste Ursache bei älteren Menschen ist Bluthochdruck. Jahrelanger hoher Druck schwächt die kleinen Gefäße im Gehirn, bis eines nachgibt. Aber ich war 29, hatte keinen Bluthochdruck und keine Vorgeschichte. Bei mir haben die Ärzte an der Mayo Clinic alles getestet:

CT-Angiografie: kein Aneurysma, keine Gefäßmissbildung sichtbar.

Konventionelle Angiografie, der Goldstandard: Ein Katheter wurde durch die Leiste bis in die Hirngefäße vorgeschoben. Ergebnis: Keine Blutungsquelle gefunden.

MRT mit Kontrastmittel: Ein kleiner verdächtiger Punkt am Rand der Blutung, aber nicht eindeutig zuzuordnen.

Blutgerinnung: normal. Drogenscreening: negativ. Schwangerschaftstest: negativ.

Die Ärzte vermuteten am Ende eine sogenannte kavernöse Malformation, eine kleine Ansammlung abnormer Blutgefäße, die unter der Blutung versteckt sein könnte. Aber beweisen konnten sie es nicht. Meine Diagnose bei der Entlassung war: Hirnblutung, Ursache ungeklärt.

Das ist schwer zu akzeptieren. Keine Ursache bedeutet: Man weiß nicht, ob es wieder passieren kann. Man hat keine klare Prävention. Man lebt mit einer offenen Frage.

Zahlen und Fakten

Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle sind Hirnblutungen. Sie sind seltener als ischämische Schlaganfälle, aber gefährlicher. Die Sterblichkeit ist höher. Die Erholung dauert oft länger.

Gleichzeitig ist die Hirnblutung weniger bekannt. Die meisten Aufklärungskampagnen fokussieren auf den ischämischen Schlaganfall. Wer eine Hirnblutung hatte, findet sich in vielen Ratgebern nicht wieder, weil die Tipps zu Blutverdünnern und Gerinnungshemmern nicht zutreffen.

Was bedeutet das für die Nachsorge?

Nach einer Hirnblutung gelten zum Teil andere Regeln als nach einem ischämischen Schlaganfall. Blutverdünner, die nach einem Hirninfarkt Standard sind, können nach einer Blutung kontraindiziert sein. Die Blutdruckeinstellung ist besonders wichtig. Und es braucht regelmäßige Bildgebung, um zu kontrollieren, ob sich etwas verändert hat.

Wer eine Hirnblutung hatte, sollte einen Neurologen haben, der genau diese Erfahrung mitbringt. Das ist nicht dasselbe wie die Nachsorge eines Hirninfarkts.

Zusammengefasst

Nicht jeder Schlaganfall ist gleich. Eine Hirnblutung ist seltener, oft schwerwiegender und wird anders behandelt. Wenn du oder jemand in deinem Umfeld eine Hirnblutung hatte, lass dich nicht mit allgemeinen Schlaganfall-Tipps abspeisen. Frag gezielt nach: War es eine Blutung oder eine Verstopfung? Die Antwort bestimmt alles, was danach kommt.