Eine der häufigsten Fragen, die ich bekomme: Wann und wie erzählst du von deiner Behinderung? Die Antwort ist nicht für jeden gleich. Hier ist mein Ansatz.

Früh, aber nicht als Erstes

Ich kommuniziere meine Behinderung zu Beginn eines Gesprächs. Nicht als erstes Thema, aber früh genug. Wenn ich es nicht anspreche, habe ich das Gefühl, etwas zu verheimlichen. Und die meisten bemerken es spätestens beim Händeschütteln.

Die Hund-Metapher

Ich vergleiche es gern mit einem Hund. Wenn jemand einen Hund hat, ist es komisch, wenn sich alle Fragen nur um den Hund drehen. Genauso ist es komisch, den Hund komplett zu verheimlichen. Die Behinderung ist ein Teil von mir. Sie darf Thema sein. Aber ich bin mehr als meine Behinderung.

Was ich mir wünsche

Wenn mir jemand die Hand schüttelt und merkt, dass etwas anders ist: nicht sofort fragen "Was ist denn mit deinem Arm los?" Das darf später kommen, im Gespräch, in einem natürlichen Moment. Nicht als Eröffnung.

In der Bewerbung

In Bewerbungsunterlagen erwähne ich meine Behinderung noch nicht, es sei denn, ich will explizit meine Resilienz und meinen Optimismus hervorheben. Das ist eine bewusste Entscheidung: Ich möchte zuerst als Fachperson wahrgenommen werden.

Im neuen Team

Nicht sofort. Ich will nicht damit anfangen. Die Behinderung wird sichtbar, sie muss nicht angekündigt werden. Wenn Fragen kommen, beantworte ich sie offen. Aber ich bestimme den Zeitpunkt.

Was Kollegen und Vorgesetzte wissen sollten

Ich brauche manchmal einen Moment, um ein Wort zu finden. Bitte nicht reinreden oder Wörter vorschlagen. Das macht es schlimmer. Kurz warten reicht. Ich brauche etwas mehr Zeit für bestimmte Aufgaben. Und Buffets bei Firmenevents sind für mich eine Herausforderung. Wenn es die Möglichkeit gibt, etwas serviert zu bekommen oder den Teller irgendwo abzustellen, hilft das enorm.

Barrierefreiheit erkennen

Bei der Jobsuche achte ich auf: Gibt es ein Großraumbüro? Wie ist die öffentliche Verkehrsanbindung? Zeigt die Stellenausschreibung Flexibilität? Hat das Unternehmen einen Diversity Report? Worte wie Inklusion in einer Anzeige sind ein Signal. Ob sie gelebt werden, zeigt sich im Gespräch.

Zusammengefasst

Offenheit, zu meinen Bedingungen. Die Behinderung ist kein Geheimnis und kein Mittelpunkt. Sie ist ein Fakt, wie die Haarfarbe oder der Beruf. Je selbstverständlicher man damit umgeht, desto selbstverständlicher gehen auch andere damit um.