Wenn ich meine Geschichte erzähle, sagen die meisten Leute: "Du bist doch noch so jung." Stimmt. Ich war 29.
Studiert habe ich Molekularbiologie in Graz. Für das Doktorat bin ich nach Wien an die BOKU gekommen. Dann durfte ich ein Auslandssemester in Amerika machen. Ich war super aufgeregt. Doch nach einem Monat, bevor ich mich richtig einleben konnte, hatte ich ganz überraschend einen schweren Schlaganfall. Genauer gesagt eine Gehirnblutung, medizinisch Haemorrhagia cerebri.
Glück und Engagement
Ich hatte drei Dinge Glück im Unglück. Zum Glück war ich jung. Zum Glück ist es mir nicht alleine im Zimmer passiert. Zum Glück war ich an der Mayo Clinic, einer der besten Kliniken der Welt.
Die erste Zeit
Ich konnte nicht mehr sprechen. Meine rechte Seite war gelähmt. Am Anfang habe ich gar nicht wahrgenommen, wie viel sich verändert hat. Ich dachte mir: ein bisschen Rehabilitation und dann geht das schon. So einfach war es nicht.
Ein Jahr bin ich von meinem Job ferngeblieben und habe mich voll auf die Rehabilitation konzentriert. Ich lernte wieder zu reden und zu gehen. Auch mit dem Arm habe ich große Fortschritte gemacht. Was fehlt, ist die Fingerfertigkeit und die Kraft. Zusätzlich habe ich eine Spastik in der Hand: eine konstante Muskelanspannung, die es schwer macht, die Finger zu öffnen. Das ist durch eine Sehnenverlängerung besser geworden, aber wenn etwas anstrengend (es reicht schon wenn ich meinen Arm hochstrecken muss) zieht sich meine Hand noch zusammen.
Das neue Normal
Heute schreibe ich mit der linken Hand. Eigentlich bin ich Rechtshänderin. Außerdem fallen mir bestimmte Wörter nicht ein, besonders auf Englisch, wenn ich nervös bin oder aufgeregt. Ich brauche etwas länger mit allem was ich tue: beim Anziehen, beim Kochen, beim Schreiben.
Aber ich habe meinen Doktorat abgeschlossen. Danach habe ich mich entschieden, noch einmal von vorne zu beginnen und Artificial Intelligence/ Künstliche Intelligenz zu studieren. Ich wollte mir beweisen, dass ich das noch kann. Programmieren hat mich immer fasziniert. Heute arbeite ich in der Core Facility für Bioinformatik an der BOKU und stehe kurz vor meinem Abschluss in AI/KI.
Wie sieht mein Leben aus?
Eigentlich nicht so anders wie bei anderen. Ich tippe auf einer normalen Tastatur und habe eine normale Maus. Ich koche gern und viel. Ich gehe zum Sport und wandern. Eben ein fast ganz normales Leben.