Im robotergestützten Therapie-Ratgeber habe ich Geräte beschrieben, die Bewegungen unterstützen oder anleiten. recoveriX geht einen Schritt weiter: hier wird nicht die Bewegung selbst, sondern die Bewegungsvorstellung im Gehirn als Therapie genutzt.

Was ist recoveriX?

recoveriX ist ein Medizinprodukt der österreichischen Firma g.tec medical engineering aus Schiedlberg in Oberösterreich. Es kombiniert drei Komponenten:

Erstens ein Brain-Computer-Interface (BCI). Eine Haube mit Elektroden misst deine Hirnaktivität. Du stellst dir eine Bewegung vor, zum Beispiel deine betroffene Hand zu öffnen.

Zweitens funktionelle Elektrostimulation. Im selben Moment, in dem das System deine Bewegungsvorstellung erkennt, wird der entsprechende Muskel elektrisch stimuliert. Die Hand öffnet sich tatsächlich.

Drittens visuelles Feedback. Ein Avatar am Bildschirm bewegt sich synchron, du siehst die Bewegung also dreifach: gedacht, gespürt und sichtbar.

Der Trick dabei: das Gehirn lernt durch diese präzise Kopplung aus Vorstellung, Stimulation und Feedback, neue Verbindungen aufzubauen. Auch dann, wenn die ursprünglichen Bahnen geschädigt sind.

Was unterscheidet das von Robotik?

Robotergestützte Therapie wie Lokomat oder Armeo führt eine Bewegung aktiv aus oder unterstützt sie. recoveriX dagegen reagiert auf das, was in deinem Kopf passiert. Du bist also der aktive Teil, nicht das Gerät. Das ist auch der Grund, warum recoveriX bei Menschen wirkt, deren Hand oder Bein scheinbar gar nicht mehr bewegungsfähig ist. Die Bewegungsvorstellung funktioniert oft, auch wenn die Bewegung selbst aussetzt.

Was sagt die Forschung?

Mehrere randomisierte Studien zeigen messbare Effekte. Die Armfunktion verbessert sich klinisch relevant, die Gehgeschwindigkeit nimmt zu, Spastik geht zurück. Diese Effekte sind auch in der chronischen Phase Jahre nach dem Schlaganfall noch nachweisbar. Auf der Forschung-Seite findest du sechs Studien zu BCI-basierter Schlaganfall-Therapie, drei davon stammen direkt vom g.tec-Team.

Wichtig: recoveriX ist eine ergänzende Methode, keine Wunderheilung. Sie wirkt am besten in Kombination mit klassischer Physio- und Ergotherapie und braucht typischerweise mehrere Trainingsblöcke (oft 25 Sitzungen oder mehr).

Wo kannst du recoveriX in Österreich nutzen?

Die Methode wurde in Schiedlberg entwickelt, dort steht auch das erste Therapiezentrum (eröffnet 2016). Inzwischen gibt es recoveriX an mehreren Standorten:

- Schiedlberg, Oberösterreich: g.tec Hauptsitz, Sierningstraße 14 - Linz: Elisabethstraße 1, am Taubenmarkt - Wien: Altmannsdorfer Straße 89, gemeinsamer Standort mit Home4motion - Schladming, Steiermark - Graz - Innsbruck (Therapiezentrum Kattnig) - Waidhofen an der Ybbs

Die einzelnen Standorte werden teilweise von unterschiedlichen Therapeut:innen betrieben (zum Beispiel Gerlinde Percht für mehrere Standorte in Tirol, Kärnten und Wien). Anfrage am besten direkt beim gewünschten Standort, weil Termine und Trainingsblöcke länger im Voraus geplant werden.

Was du wissen solltest

recoveriX ist eine Privatleistung. Manche Krankenversicherungen erstatten anteilig, das hängt von Versicherung und Therapieplan ab. Eine ärztliche Verordnung kann sinnvoll sein, ist aber nicht zwingend.

Die Therapie ist anstrengend. Du arbeitest mit deinem Kopf intensiv, und das ermüdet anders als rein körperliche Therapie. Plane Pausen ein.

Für wen ist das interessant?

Wenn du nach Schlaganfall, MS oder Schädel-Hirn-Trauma eine Lähmung oder Spastik hast und das Gefühl, dass deine Standardtherapie an Grenzen stößt, ist recoveriX einen Versuch wert. Besonders dann, wenn die Bewegung gefühlt "blockiert" ist, deine Bewegungsvorstellung aber funktioniert. Auch in der chronischen Phase Jahre nach dem Schlaganfall lohnt es sich, weil die Forschung zeigt, dass auch dann noch Verbesserungen möglich sind.

Quellen

- https://recoverix.com — Hersteller g.tec - https://schiedlberg.recoverix.at — Standort Schiedlberg