Eines der häufigsten Hindernisse nach der Reha ist banal: zu wenig Wiederholungen. Therapie zwei Mal pro Woche eine halbe Stunde reicht selten, um Bewegungen nachhaltig wieder einzuüben. Was du brauchst, ist Therapie zwischen den Therapie-Terminen. Genau dafür ist Stiwell gedacht.
Was Stiwell ist
Stiwell ist ein Gerät für funktionelle Elektrostimulation (FES). Über Klebeelektroden werden gezielt Muskeln stimuliert, sodass eine Bewegung ausgelöst wird. Das Gerät hat zusätzlich Biofeedback und EMG-Triggerung: es erkennt, wenn du selbst versuchst, eine Bewegung auszuführen, und unterstützt sie im richtigen Moment.
Hergestellt wird Stiwell von MED-EL in Innsbruck, der gleichen österreichischen Firma, die für ihre Cochlea-Implantate weltweit bekannt ist.
Wofür es eingesetzt wird
Stiwell ist zugelassen für eine Reihe neurologischer und orthopädischer Erkrankungen. Für Schlaganfall-Betroffene besonders relevant:
- Schlaganfall mit Lähmung von Arm oder Bein - Spastik und Muskelatrophie - Fazialisparese (Gesichtslähmung) - Multiple Sklerose - Schädel-Hirn-Trauma
Das Prinzip ist gut erforscht. Die Kombination aus Bewegungsversuch und Elektrostimulation aktiviert das Gehirn präzise und kann auch nach Jahren noch zu Verbesserungen führen. Auf der Forschung-Seite findest du mehrere Studien dazu (BCI plus FES, FES für Armfunktion).
Das Beste: du musst es nicht kaufen
Stiwell wird gemietet, nicht gekauft. Die Mietkosten und das Zubehör werden bei medizinischer Verordnung von der Krankenkasse übernommen. Du musst nichts vorstrecken.
Der Ablauf:
1. Ärzt:in einbeziehen. Eine Fachärzt:in, meist Neurolog:in oder Reha-Mediziner:in, verordnet ein Stiwell für deine Indikation. 2. Antrag bei der Kasse. MED-EL übernimmt die administrative Abwicklung. Verordnung hochladen oder einsenden, alles weitere koordiniert das Team. 3. Bewilligung. Manche Kassen (zum Beispiel BVAEB) brauchen Vorab-Bewilligung. Bei der ÖGK werden die Kriterien 2026 gerade überarbeitet, am besten Verordnung trotzdem einreichen, MED-EL meldet sich mit dem aktuellen Stand. 4. Lieferung und Einschulung. Das Gerät kommt zu dir nach Hause. Du wirst eingeschult, wie du es selbstständig nutzen kannst. 5. Nutzung. Du trainierst täglich oder mehrmals pro Woche zuhause. Idealerweise in Absprache mit deiner Therapeut:in, damit Übungen sinnvoll aufeinander abgestimmt sind.
Was du wissen solltest
Stiwell ist kein Selbstläufer. Du brauchst Disziplin, das Gerät regelmäßig zu nutzen, sonst bringt es nichts. Realistisch sind 20 bis 30 Minuten pro Trainingseinheit, mehrmals pro Woche.
Es ersetzt nicht die menschliche Therapie. Es ist die Verlängerung der Therapie in deinen Alltag. Studien zeigen, dass FES kombiniert mit klassischer Reha am besten wirkt.
Die Elektroden müssen richtig platziert werden, sonst wird nicht der gewünschte Muskel aktiviert. Die Einschulung ist entscheidend, deine Therapeut:in oder das MED-EL-Team kann dir dabei helfen.
Es kann am Anfang ungewohnt prickeln. Das vergeht meistens nach ein paar Sitzungen.
Für wen das passt
Wenn du nach einem Schlaganfall (oder einer anderen neurologischen Erkrankung) eine Lähmung oder schwache Muskulatur hast und das Gefühl, deine Standardtherapie reicht nicht aus, ist Stiwell eine sinnvolle Ergänzung. Besonders dann, wenn du in der subakuten oder chronischen Phase bist und selbstständig zuhause weiter trainieren möchtest.
Sprich mit deiner behandelnden Ärzt:in und Therapeut:in darüber. Die Verordnung ist die einzige Hürde, alles andere übernimmt MED-EL.
Kontakt
- Hersteller: https://stiwell.medel.com/de-at/ - Vermietung und Antragstellung: über die Herstellerseite
Quellen
- https://stiwell.medel.com/de-at/ , Herstellerangaben zu klinischen Anwender:innen in Österreich und der Schweiz