Ich bin nicht im Vollzeit-Modus zurückgekommen. Ich habe mit zehn Stunden pro Woche angefangen. Dann zwanzig. Dann dreißig. Heute arbeite ich an der BOKU University in Wien als Senior Scientist in der Bioinformatik. Der Weg dorthin war kein Sprung, sondern eine Treppe. Hier sind die Stufen, und sie funktionieren an jeder österreichischen Universität ähnlich.

Wiedereingliederungsteilzeit: 10, dann 20, dann 30 Stunden

Die Wiedereingliederungsteilzeit ist ein gesetzlich geregeltes Modell in Österreich, das es ermöglicht, nach einer längeren Krankheit mit reduzierten Stunden in den Beruf zurückzukehren. Den Gehaltsunterschied gleicht das Wiedereingliederungsgeld der PVA (Pensionsversicherungsanstalt) zu einem großen Teil aus. Wichtig: Es gibt keinen Rechtsanspruch. Der Arbeitgeber muss schriftlich zustimmen.

Bei mir war es ein gestuftes Modell. Erst zehn Stunden pro Woche. Dann zwanzig. Dann dreißig. Diese Stufen haben mir Zeit gegeben, herauszufinden, wie viel Konzentration und Energie tatsächlich da war. Ein Vollzeit-Sprung zurück hätte mich überfordert.

fit2work: kostenlose Beratung beim Wiedereinstieg

Parallel zur Wiedereingliederungsteilzeit war ich bei fit2work. Das ist ein kostenloses, österreichweites Beratungsprogramm der Bundesministerien für Personen, deren Arbeitsplatz durch gesundheitliche Probleme gefährdet ist, und für Personen, die nach einer längeren Krankheit oder Arbeitslosigkeit zurück ins Berufsleben wollen. fit2work hilft bei der Planung des Wiedereinstiegs, vermittelt zwischen Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in und kennt die Förderschienen.

Für mich war fit2work die externe Beratung, die meine internen Verhandlungen an der Uni gestützt hat. Ein:e fit2work-Berater:in hat mit mir die Optionen durchgesprochen, mir das Wiedereingliederungsgeld erklärt und mir Sicherheit gegeben, dass mein Plan realistisch ist. Kontakt geht über die kostenlose Servicelinie 0800 500 118. Empfehlenswert für alle, die noch nicht sicher sind, wie und ob es beruflich weitergeht.

Ein:e Vorgesetzte:r, der oder die mitzieht

Eine Wiedereingliederungsteilzeit funktioniert nur, wenn der oder die direkte Vorgesetzte ehrlich dahintersteht. Ich hatte das Glück, einen Doktorvater zu haben, der meinen Wiedereinstieg von Anfang an unterstützt hat. Konkret hieß das: er hat dem stufenweisen Stundenmodell zugestimmt, er hat die studentische Hilfskraft im Labor mitgetragen, er hat mir Aufgaben zugetraut, die zu meinem aktuellen Tempo passten, und er hat mich nicht in eine Rolle gedrängt, in der ich nur noch zugesehen hätte. Diese Haltung ist nicht selbstverständlich. Wenn du sie hast, sag es deinem Gegenüber gelegentlich. Wenn du sie nicht hast, ist das ein Signal, das man ernst nehmen darf.

Die zuständige Stelle an der Uni: zentrale Anlaufstelle

Was ich rückblickend früher gemacht hätte: gleich die zuständige Stelle der Universität kontaktieren. An der BOKU heißt sie Koordinationsstelle für Gleichstellung, Diversität und Behinderung. An anderen österreichischen Universitäten heißt sie anders: an der JKU Linz zum Beispiel Integriert Studieren, an manchen Standorten ist sie Teil des Diversity-Büros. Funktion und Aufgaben sind ähnlich.

Diese Stelle hilft bei: Anträgen auf Persönliche Assistenz, Anpassungen am Arbeitsplatz, Kontakt zum Betriebsarzt, Verhandlungen mit dem Arbeitgeber. Sie kennt die Förderschienen und die internen Wege. Ohne diese Unterstützung wäre vieles für mich deutlich schwieriger gewesen.

Mein klarer Tipp: Wenn du an einer Uni arbeitest oder studierst und eine Behinderung hast, suche nach der entsprechenden Stelle an deinem Standort und vereinbare ein Erstgespräch. Das kostet nichts und öffnet Türen.

Eine studentische Hilfskraft als zweite Hand

Mein Doktorat war in einem Wet Lab. Pipettieren, Proben vorbereiten, Geräte bedienen. Mit einer Hand geht vieles davon nicht. Über die Koordinationsstelle habe ich am Übergang vom PhD in den Postdoc eine studentische Hilfskraft bekommen, eine Masterstudentin, die ich geringfügig anstellen konnte. Sie hat die praktische Laborarbeit übernommen, ich habe die Planung, Analyse und das Schreiben weiter selbst gemacht.

Das war keine reine Aushilfe, das war ein Tandem. Sie hat mir die "Hände" geliehen, die meine nicht mehr machen konnten. Für sie war es ein bezahlter Lab-Job mit echtem Verantwortungsspielraum. Für mich war es der Unterschied zwischen "PhD aufgeben" und "PhD abschließen".

Betriebsarzt: Ruheraum und ergonomische Maus

Ich habe auch den Betriebsarzt der Universität konsultiert. Zwei konkrete Dinge sind dabei rausgekommen: Erstens hat er einen Ruheraum für mich organisiert, also einen Rückzugsort für Pausen mitten am Arbeitstag. Zweitens hat er eine Verordnung für Arbeitsplatzförderung ausgestellt. In meinem Fall war das eine ergonomische Maus. Das klingt unspektakulär, macht aber bei sechs Stunden Bildschirmarbeit pro Tag einen messbaren Unterschied. Die Verordnung war die formale Grundlage dafür, dass die Maus aus Fördermitteln bezahlt wurde, nicht aus der eigenen Tasche.

Auch hier wieder: Der Betriebsarzt ist eine Anlaufstelle, die viele nicht auf dem Schirm haben. Ein Termin lohnt sich.

Vom Wet Lab in die Bioinformatik: ein bewusster Wechsel

Nach dem PhD habe ich mich für einen Berufswechsel innerhalb der BOKU entschieden. Bewusst. Wet Lab mit einer Hand bleibt mühsam, auch mit Assistenz. Bioinformatik dagegen passt zu meinen aktuellen Möglichkeiten: Computer, Tastatur, Maus, Kopf. Das funktioniert.

Seit 2022 arbeite ich an der BOKU Core Facility for Bioinformatics. Bildanalyse für Forschungsgruppen, Pipelines schreiben, Daten interpretieren. Es ist nicht mehr derselbe Beruf wie vor dem Schlaganfall, aber es ist immer noch Forschung, und es ist immer noch ich.

Heute: zwei Tage Home Office, formell vereinbart

An meinem aktuellen Arbeitsplatz habe ich zwei Tage pro Woche Home Office, formell vereinbart. Das ist für mich kein Nice-to-have, das ist Energie-Management. An den Tagen zuhause spare ich mir den Pendelweg, die Geräuschkulisse, das Umziehen. Diese Energie steht stattdessen für die eigentliche Arbeit zur Verfügung. Mein Tipp an Arbeitgeber: formelle Home-Office-Vereinbarungen kosten nichts und sind oft das wirksamste Inklusionsinstrument.

Zusammengefasst

Mein Weg zurück hatte vier Hebel: ein gestuftes Stundenmodell über die Wiedereingliederungsteilzeit, ein:e Vorgesetzte:r, der oder die mitgezogen hat, die richtigen Ansprechpartner an der Uni (Koordinationsstelle, Betriebsarzt), und ein bewusster Wechsel der Tätigkeit, der zu meinen Möglichkeiten passt. Heute ist mein Arbeitsalltag nicht weniger anspruchsvoll als früher, aber er ist tragbar.

Wenn du an einer Universität arbeitest oder studierst und nach einem Schlaganfall den Wiedereinstieg planst: suche die zuständige Stelle an deinem Standort. An der BOKU ist es die Koordinationsstelle für Gleichstellung, Diversität und Behinderung. An anderen Unis heißt sie Integriert Studieren oder ähnlich. Wenn du nicht an einer Uni arbeitest, ist fit2work (0800 500 118) der gleichwertige Einstieg. Das ist der eine Anruf, der den Unterschied macht.