Nachdem Botulinumtoxin bei mir nicht mehr ausreichend gewirkt hat, habe ich mich im November 2023 für eine Sehnenverlängerung an der rechten Hand entschieden. Der Eingriff wurde von Univ.-Prof. Dr. Oskar Aszmann durchgeführt, Spezialist für plastische und rekonstruktive Chirurgie in Wien.

Warum eine Sehnenverlängerung?

Bei Spastik nach einem Schlaganfall verkürzen sich mit der Zeit die Sehnen, weil die Muskeln dauerhaft angespannt sind. Die Hand schließt sich, die Finger krallen sich ein. Botulinumtoxin entspannt zwar den Muskel, aber wenn die Sehne bereits verkürzt ist, reicht das allein nicht mehr. Eine Sehnenverlängerung setzt an der Sehne selbst an und gibt der Hand wieder mehr Spielraum.

Was bei der OP passiert

Bei der Technik, die bei mir angewendet wurde, werden die verkürzten Sehnen der Finger an mehreren Stellen eingekerbt. Durch diese kontrollierten Einschnitte kann sich die Sehne unter Zug verlängern, ohne komplett durchtrennt zu werden. Das nennt sich "fractional lengthening". Der Eingriff wurde ohne Vollnarkose durchgeführt, was den Aufwand reduziert.

Nach der OP

Was mich überrascht hat: Es gab praktisch keine Schmerzen. Die Erholung war unkompliziert. Die Hand war danach offener, die Finger entspannter. Händegeben war zum ersten Mal seit langem wieder möglich. Auch eincremen war leichter.

Was sich verändert hat

Der Tonus ist fast vollständig weg. Die Hand ist in einer deutlich besseren Stellung. Das war auch das Hauptziel der OP: nicht unbedingt mehr Funktion, sondern eine bessere Ruheposition der Hand. Der Kompromiss: Mit weniger Tonus geht auch weniger Kraft einher. Die Hand ist entspannter, aber schwächer. Für mich war das ein akzeptabler Tausch.

Für wen kommt das in Frage?

Eine Sehnenverlängerung ist eine Option, wenn Botulinumtoxin nicht mehr ausreichend wirkt und die Spastik die Handstellung beeinträchtigt. Es ist ein chirurgischer Eingriff, aber kein großer. Die Entscheidung sollte zusammen mit einem erfahrenen Handchirurgen getroffen werden, der Erfahrung mit spastischen Extremitäten hat.

Mein Fazit

Ich würde die OP weiterempfehlen, besonders wenn Botulinumtoxin nicht mehr hilft. Der Eingriff war unkompliziert, die Erholung schnell und das Ergebnis im Alltag spürbar. Wichtig ist die realistische Erwartung: Es geht primär um eine bessere Handstellung, nicht um die Wiederherstellung voller Handfunktion.